Es gibt zu dieser Diplomarbeit (Dipl. Ing. Architekt FH) aus 2006 viel zu erzählen, aber vielleicht erst mal ansehen: die Arbeit ist interaktiv.
Es ist sehr empfehlenswert, die Diplomarbeit auf einem Bildschirm zu erforschen, im Vollbild (dafür gibt es unten in der Mitte einen Knopf). Ein Tablet ist auch OK, auf einem Smartphone ist ein Stift nützlich. Das Layout ist eben etwas älter. Bei einem Tablet das Querformat nutzen.
Allgemein: wenn der Cursor sich zu einer Hand ändert, gibt es etwas zu sehen.
Wichtiger Hinweis zur Navigation: Es gibt auf jeder Ebene einen Button, der zurück führt. Manchmal ist der Button etwas versteckt, das soll so sein. Der Button kann aussehen, wie das Planblatt, manchmal anders. An selbsterklärenden Ebenen genügt auch ein Klick auf ein Foto, um zurückzukommen. Die Panoramen des Entwurfs sind etwas versteckt: man erreicht sie über das Luftbild und den nochmaligen Klick im neuen Fenster… und sie sind teils etwas „bauchig“, also der Horizont verzerrt. Das konnte ich damals nicht besser und möchte das nicht verstecken.

Zunächst Hinweise zum Entwurfsgedanken:
- in der Umgebung gibt es hohe Gebäude, massig und kräftig. Gerade in der Wasserreihe gab es dreieinhalb Geschosse.
Ausgerechnet das bestehende Gebäude an der Ecke Wasserreihe-Westerende war sehr niedrig bebaut: ein Geschoss mit einem Satteldach. - die angrenzenden Gebäude im Westerende waren niedrig, im Kontrast zur Wasserreihe.
- an der Kleikuhle gab es eine bunte Mischung aus Eingeschossern und bis vier Geschosse.
- ich hatte mich entschieden, der Ecke mehr Kraft zu geben.
- das bebaute Grundstück ist ein verzogenes Parallelogramm. Das angrenzende kräftige Gebäude in der Wasserreihe hat ein Souterrain, eine Treppe führt hinunter. Die Treppe ist außerhalb des Grundstücks, nimmt sich also Platz vom Bürgersteig. Darauf habe ich reagiert. So entstand der Ansatz, die Geschosse jeweils etwas zu verdrehen, aus dem Parallelogramm und aus der Treppe zum Souterrain. Die Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Grundstücks war maximal.
- Der Entwurf nimmt die Höhe der Traufe des Nachbargebäudes der Wasserreihe auf, das Balkongeländer trifft genau die Traufe. Der Luftbalken des Staffelgeschosses übernimmt die Höhe der Gaube des Nachbarn.
- der Kontrast zu der Nachbarbebauung im Westerende ist bezüglich der Masse sehr groß. Ich habe das hingenommen, da die gesamte Umgebung im Umbruch befindlich ist. Inzwischen ist der ehemalige Gasthof, als Nachbar an der Kleikuhle in Richtung Westen, abgerissen worden. Er wurde durch deutlich mehr Masse ersetzt. Ob die Bebauung im Westerende ebenfalls nachverdichtet werden wird, ist nicht absehbar. Es ist jedoch wahrscheinlich, habe ich vorausgesetzt.
- inzwischen ist die Ecke tatsächlich neu bebaut. Wer mag, sollte sich das mal ansehen und mit meinem Entwurf aus der Diplomarbeit vergleichen. Ich habe mit dieser Bebauung keinerlei Berührungspunkte, es kam einfach so…
Technik: Die Diplomarbeit stammt aus 2006, ist also inzwischen 20 Jahre alt. „Damals“ war vieles im CAD noch nicht sehr weit entwickelt. Visualisierung war schon gut angeschoben, es gab spezielle Zusatzprogramme, in welchen man die Daten aus dem CAD einlesen und weiter fotorealistisch verarbeiten konnte.
Sehr neu war die Möglichkeit, Kugelpanoramen aus dem Programm heraus zu erzeugen. Kugelpanoramen vermitteln ein weit besseres Gefühl dafür, wie ein geplantes Gebäude an Ort und Stelle wirkt. Man kann sich frei umsehen, aus einer realistischen Perspektive (der Höhe der betrachtenden Person). Gerade in einem bestehenden Ensemble kann dies eine wertvolle Hilfe sein.
Aus dem CAD-Programm Nemetschek heraus, konnte man den 3D-Planstand an Cinema-4D (C4D) übergeben. C4D konnte da schon Kugelpanoramen erzeugen. Diese Panoramen habe ich als schnelle Entwurfskontrolle verwendet. Das war neu, denn bisher verwendete man ab und an Endoskope, mit denen man physische Modelle betrachtete, und dies war sehr wenig verbreitet. Der Blick durch das Endoskop war die einzig mögliche Technik, um einen Eindruck aus der Perspektive zu bekommen, die für Menschen später als Passanten selbstverständlich ist. Tatsächlich schaute man während des Entwurfs fast immer von oben auf das Modell, also aus dem Hubschrauber.
Eine Diplomarbeit verlangte regelmäßig nach einem physischen Arbeitsmodell, mit dem der Entwurf in seiner Entwicklung betrachtet wurde (ein Arbeitsmodell visualisierte die Massen, sie waren zumeist aus Pappe oder Styropor). Ich wollte das anders machen: Das Arbeitsmodell war im Rechner gespeichert und der Entwurf in einigen Varianten hier städtebaulich betrachtbar. Als Kugelpanorama vermittelte der noch unfertige Entwurf einen starken Hinweis darauf, ob es die richtige Variante war. Der Aufgabensteller, Prof. Hense an der FH-Eckernförde, war sehr skeptisch, aber nach kurzer Zeit überzeugter Nutzer des Arbeitsmodells am Bildschirm. Ohne Endoskop die Wirkung der Masse in der städtebaulichen Umgebung erfahren, das fand er gut. Mir ist auch nicht bekannt, ob es an der FH-Eckernförde ein Endoskop gab, ich habe da nie eines gesehen. Ein Endoskop meint hier: man schaut in ein Okular, durch ein dünnes Rohr und an dessen Ende wieder durch ein winzigen Spiegel, auf das Modell. Man sieht einen kreisrunden Ausschnitt aus dem Modell, das Rohr kann man drehen. So kann man die Massen in etwa erfahren.
Es war die erste Diplomarbeit an der FH-Eckernförde, die ohne physisches Arbeitsmodell abgegeben und bewertet wurde. Im Jahr 2006 war ich dann endlich Architekt. Es wurde auch Zeit, die FH in Eckernförde wurde geschlossen, weil so angeblich Einsparungen möglich sein sollten. Es ist bis heute umstritten, ob es Einsparungen gab, denn die Kostenprognosen hatten etwas vergessen: die Materialprüfanstalt, welche an die FH angegliedert war.
Tatsächlich war die Arbeit am 3D-Modell extrem aufwendig. Allein die umgebende Bebauung dort hineinzubekommen, war ein Thema, eine auszubildende Bauzeichnerin hat mir dabei sehr geholfen. Ich hatte Zugriff auf Zeichnungen als Ansicht auf die Straßenzüge. Im Bauamt der Stadt Husum wurden diese Zeichnungen angefertigt. Ich habe die Zeichnungen vektorisiert (in für Computer verdaubare Daten umgewandelt), die Vektoren wurden in 3D-Linien umgewandelt (Splines) und dann so weit in die Länge gezogen, bis die Abmessungen stimmten. So entstanden „Bauklötze“, die im Modell verfügbar waren. An diese Klötze wurden Texturen angebracht, also quasi ein Diaprojektor, der die Bauklötze mit einem Foto anstrahlt. Die Bauklötze mit dem Foto des Gebäudes waren schon sehr realistisch, wesentlich realistischer als die Styroporklötze in physischen Arbeitsmodellen. In den fertigen Modellen, die im Rahmen der Diplomarbeiten abgegeben wurden, gab es schon ein Wettrennen im Aufwand: es gab Plexiglas, aus Metall gelaserte Häuser und andere sehr teure Varianten. Bei dem Offshorecorner habe ich das fertige Modell so erstellt: der fertige Entwurf wurde fotorealistisch ausgegeben (aus dem CAD plus C4D) und danach in die Fotos eingefügt, die ich für die Panoramen im Bestand angefertigt hatte. Anders beschrieben: das Gebäude wurde per Bildbearbeitung in das Panorama eingefügt. Diesen Arbeitsgang hatte ich mir einfacher vorgestellt, als es dann tatsächlich war. Das Bestandsgebäude hatte Bereiche im Panorama-Foto verdeckt, die im Entwurf dann sichtbar waren. Diese Bereiche musste ich rekonstruieren (alles in Photoshop und ohne KI).
Die Arbeit am Entwurf war leicht von der Hand gegangen, inzwischen war Nemetschek-Allplan für mich in der Handhabung wie ein Bleistift (geworden), nachdenken, wie das umgesetzt werden konnte wie ich es mir vorstellte, brauchte ich nicht mehr.
Die Zusammenstellung für das Abgabe-Layout war dann wieder Pionierarbeit. Ich musste zweigleisig vorgehen: ein Ausdruck in DIN A0 war Pflicht (und unproblematisch). Die interaktive Ausgabe auf dem Computer (Bildschirm) nahm auf das Layout des Ausdrucks Bezug. Jedes Element auf dem Bildschirm ist dort mit hinterlegten Dateien verbunden. Diese „Nodes“ (Links oder Hotspots) führten per Klick darauf zu neuen Elementen. Die eingesetzten Programme waren Exoten. Das zur Vernetzung genutzte Programm war in den USA entwickelt worden und stürzte sofort ab, wenn ein german Umlaut in der Nähe weilte.
Zum Verständnis: grundsätzlich ist die Technik für vernetzte Kugelpanoramen entwickelt worden. Was das ist, kann man sich hier auf meiner Internetseite ansehen. Ich habe im Falle OffshoreCorner die Vernetzung auch für 2D-Elemente eingesetzt, also für eine Mischung aus 2D und 3D.
Die Diplomarbeit bestand also tatsächlich aus einer einzigen Datei, die auf einem Monitor dargestellt wurde. Es gab bei der Präsentation einen Bildschirm und eine Maus, keine Tastatur. Man begab sich auf eine interaktive Reise durch Panoramen, Fotos, ein Video und Texte.
Ursprünglich war die interaktive Diplomarbeit in Quicktime als Layout zusammengestellt worden (mit VR-SceneWorx). Das war eine einzige große mov-Datei, zur Abgabe auf eine CD gebrannt. Internet ging damit nicht, weil die Datei sehr groß ist und erst stundenlang in einem Stück heruntergeladen werden musste.
Gerne wollte ich die Arbeit im Internet zugänglich machen, also alles umbauen und 2014 war die zweite Version fertig. Das ging mit PanoramaStudio recht gut, denn es konnten Hotspots erstellt werden. Das war sehr viel einfacher als mit VR-SceneWorx und es wurde kleine Häppchen erzeugt, die durch das Internet flutschen konnten. Das sind sogenannte Kacheln für niedrige und hohe Auflösung, die im Endgerät nach Bedarf wieder zusammengesetzt werden, die nutzenden Personen bekommen davon nichts mit. Diese Technik gibt es auch heute noch, Kugelpanoramen werden in Tiles abgespeichert und durch die Leitungen oder Mobilfunk geschickt.
2020 hat die Firma Adobe den Flash-Player eingestellt, die Version für das Internet war so auch nicht mehr nutzbar.
Nun gibt es die dritte Version und das Internet hält jetzt bitte länger… Erstellt habe ich die dritte Version mit Panotour Pro 2.5, der Hersteller Kolor ist leider in der Insolvenz verschwunden. Der Käufer dieser Firma interessiert sich offensichtlich nicht für ein Programm für virtuelle Rundgänge. Die bei Kolor entwickelte Technik ist in Programmen für Drohnen und Minikameras eingeflossen. Das alte Panotour Pro ist bedauerlicherweise nicht mehr käuflich zu erwerben und wird nicht weiter entwickelt. Es gab eine sehr aktive Community hinter dem Programm, viele Ideen der Anwender sind in Updates eingeflossen und indessen in der Sackgasse gestrandet.

An der grundsätzlichen Bedienung und dem Aufbau der Diplomarbeit habe ich nichts geändert. In der neuen Version sollten die Ladezeiten recht kurz sein, bis auf das Filmchen in der Ecke rechts unten.
Ich wünsche viel Spaß beim Stöbern im OffshoreCorner
